Portal 2 Review

TL;DR
Gutes Spiel aber schlechtes Preis/Leistungsverhältnis. Am besten warten bis es billiger wird.

Mitten in den Zeitraum zwischen Ende meines Studiums und Job-Einstieg fiel der Release-Termin von Portal 2. Ich kann mich ja kaum noch für PC-Spiele begeistern, aber der erste Teil von Portal hat mich ja mal sowas von aus den Socken gehauen, da konnte ich mir den zweiten Teil nicht entgehen lassen. Nachdem ich die Einzelspieler-Kampagne gestern Abend abgeschlossen habe, möchte ich hier ein Review schreiben.

Was war gut?
Positiv zu erwähnen ist, dass Portal seinem Spielprinzip treu geblieben ist. Den Machern ist bei der Konstruktion der Rätsel ein guter Mix aus bekannten und neuen Elementen geglückt. Auch GLaDOS begeistert in der ersten Hälfte wieder mit passiv-aggressiven Bemerkungen zum Vorgehen des Spielers. Insgesamt finde ich die deutsche Synchronisation ganz gut gelungen.

Die Anforderungen der Rätsel haben sich leicht verändert. Während man im ersten Teil noch Rätsel lösen musste indem man im Flug ein Portal an die richtige Stelle platzierte, gibt es solche Herausforderungen an die Geschicklichkeit des Spielers im zweiten Teil fast nicht mehr. Man braucht zur Lösung der Rätsel eigentlich nur noch Köpfchen und keine übermäßig schnelle und präzise rechte Hand. Das finde ich gut, stößt aber bei vielen Spielern auf wenig Gegenliebe, wie ich in anderen Reviews gelesen habe. Angeblich ist das der Spielbarkeit auf Konsolen geschuldet.

Was war schlecht?
Wohl auch den Spielkonsolen geschuldet ist eine heimliche “Zielhilfe” die in das Spiel eingebaut wurde. Droht man ein knapp an einem Portal vorbei zu fliegen, wird man von der Spielmechanik leicht in die richtige Richtung gestupst.

Die Anzahl an Flächen an denen man ein Portal anbringen kann wurde wohl etwas eingeschränkt. Einsteiger sollen wohl nicht mit der Platzierung von Portalen überfordert werden, so dass man dort fast nichts mehr falsch machen kann. Eigentlich schade, denn damit hat man weniger alternative Lösungsmöglichkeiten. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Schwierigkeitsgrad gesenkt worden ist. Ich habe selten in einem Raum mehr als fünf Minuten zubringen müssen.

Das führt auch schon zu meinem primären Kritikpunkt: insgesamt war mir das Spiel für einen Vollpreistitel zu kurz. Ohne Hetzen habe ich 7 Stunden für die Einzelspieler-Kampagne gebraucht. Ob diese hätte länger sein sollen ist fraglich, denn die Rätsel laufen Gefahr etwas eintönig zu werden. Ich würde die Länge so in Ordnung finden, wenn das Spiel nur 20-30 Euro gekostet hätte. So aber wurde mir für meinen Geschmack zu wenig geboten.

Zum Schluss möchte ich noch einen Satz zum Ende sagen, ohne zu spoilern: Ich war mit dem genialen Ende vom ersten Teil im Hinterkopf enttäuscht.

Posted in Privatkram | Leave a comment

Mathematiker gesucht

Meine Diplomarbeit stellt mich gerade vor eine mathematische Herausforderung die mich als angehender Ingenieur mehr als gewöhnlich zum Grübeln bringt. Vielleicht liest hier ja ein Mathematiker mit, der mir dabei helfen oder mich zumindest an passende Literatur zum Thema verweisen kann.

Das Problem
Welche Anforderungen müssen an eine komplexwertige, quadratische Matrix Q gestellt werden, so dass die Existenz einer invertierbaren Matrix P gesichert ist für die die folgende Gleichung gilt?

Idealer Weise sollte P auch noch hermitisch sein.

Lösung
Ich habe mich heute mit meinem Betreuer unterhalten und er hat mir die Lösung dieses Problems aufgezeigt. Ich möchte sie der Vollständigkeit halber hier vermerken.

Wir nehmen mal an, die Matrix Q sei doch nur reellwertig. Außerdem stellt Q eine Kovarianzmatrix dar und ist deshalb symmetrisch. Weiterhin sei Q positiv definit. Dann kann man eine Eigenwertzerlegung vornehmen und erhält

Dabei ist U eine unitäre Matrix deren Spalten die Eigenvektoren von Q sind und Λ eine Diagonalmatrix die mit den entsprechenden Eigenwerten besetzt ist. Durch elementeweises Wurzelziehen kann die Matrix Λ in zwei Matrizen Λ1/2 mit

zerlegt werden. Entsprechend gilt

Die Mitte des rechten Terms der oberen Gleichung erweitert man dann um eine Einheitsmatrix I der entsprechenden Dimension.

Da die Transponierte einer unitären Matrix gleich deren Inverse ist, gilt

Setzt man das in die vorherige Gleichung ein, erhält man die gewünschte Form.

Posted in Uni | 2 Comments

Gothic Friday: The Early Years

Ich will dann doch mal bei einem Blog-Projekt mitmachen. Erst habe ich überlegt, ob das überhaupt hier hin passt, aber da ich langfristig sowieso eine Zellteilung vollziehen will, schreibe ich jetzt doch einen etwas privateren Eintrag.

Es geht um das Projekt Gothic Friday, bei dem es einmal im Monat um die “schwarze Szene” gehen soll. In der ersten Ausgabe ist das Thema “Wie bist du in die Szene gekommen?“.

Ich glaube ich kann mein erstes Interesse auf eine Klassenfahrt im Jahr 2002 zurück datieren. Während dieser Klassenfahrt hat ein Freund im Zimmer Alben von Lacrimosa gespielt und mir hats gefallen. Was mich wohl vor allem begeistert hat war die Kombination aus gehaltvollen Songtexten und anspruchsvollerer Musik im Vergleich zu meinen vorher präferierten Musikstilen wie Punk, Grunge und Thrash Metal in Form von Metallica.

Damals habe ich die Szene auch irgendwie als Gegenentwurf zur Spaßgesellschaft empfunden der ich, aus Gründen an die ich mich nicht mehr erinnern kann, den Mittelfinger zeigen wollte. Entsprechend kleidete ich mich auch (noch) mehr in schwarz und kam irgendwann sogar an einen langen schwarzen Ledermantel heran. Ich glaube das Modell hieß “Morpheus“. *hust*

Glücklicher Weise war es zu der Zeit kein wirklich großes Problem an entsprechende Musik ran zu kommen (andere hatten da ganz andere Probleme), so dass ich auch recht schnell mehr Musik aus der Szene kennen gelernt habe. Es muss zwischen 2002 und 2003 gewesen sein, dass ich auf Nightwish gestoßen wurde. Ich war begeistert von der Mischung aus orchestraler Musik und Metal so dass Nightwish zu meiner Lieblingsband aufstieg. Auch heute noch denke ich, dass diese Band eine der besten in ihrem Genre ist, auch wenn ich inzwischen den etwas anspruchsvolleren Ansatz von Haggard bevorzuge.

Wohl durch Nightwish ist einer meiner Freunde 2003 auf die Idee gekommen, auf das M’Era Luna Festival zu fahren. Neben dem Headliner Nightwish traten auch andere bei mir und meinem Umfeld beliebte Bands wie Subway to Sally und In Extremo auf. Dort festigte sich meine Ansicht, dass die Mädels der Schwarzen Szenen doch immer noch am besten aussehen. ;-)

2004 folgte dann der erste Besuch auf einem Wave Gotik Treffen (WGT). Da kam ich mir schon voll in die schwarze Szene integriert vor. Dabei war ich zu der Zeit kaum in entsprechenden Clubs unterwegs. Das kam dann erst 2005 als ich von Berlin nach Dresden gezogen bin und irgendwie neue Leute zum weggehen kennen lernen wollte.

Posted in Gothic Friday | Tagged | 1 Comment

MATLAB goes Cloud Computing

This article will some guideline on how to do MATLAB-based number crunching on Amazon’s Elastic Cloud Computing service (EC2). However, this is not a detailed HOWTO. I just want to point you to the right direction.

Reasoning
While working on my diploma thesis I had to simulate a huge number of independent random experiments to acquire a database for a solid statistical analysis of the results of those experiments.

Instead of running n experiments in a single process I was able modify my simulation to run in two independent processes each with n/2 experiments. Due to the large number of experiments and the independence of each experiment, my problem was almost arbitrary scaleable – and therefore perfect for cloud computing.

Requirements
Of course you need MATLAB but also the MATLAB compiler which is a separate product. I’m assuming that you have access to a cloud computing service that offers you a linux-based machine. I used EC2 with a basic Debian installation. It can’t hurt to have a local (virtual) machine with the same OS as the target machine to do some local testing.

As far as I can tell, MATLAB’s GUI does not support cross-compiling so you might need to run MATLAB on the same architecture (x86 or amd64) and roughly the same OS (Windows or Linux) as your target machine. I did all of this on an 64 bit Arch Linux.

General idea
We will use the MATLAB compiler to transform your MATLAB code into C and then compile an executable binary for your target system (most likely a 64 bit Linux). Then we will transfer the binary with a runtime environment to the cloud and run multiple instances of it to do the number crunching.

Preparing the MATLAB code
First, you have to create a main function file, for example main.m. The function implemented in this file can take arguments form the command line which is handy because you might want to do the same calculation with different parameters in parallel or at least want the processes to save their results in different files.

All command line arguments passed to the main function are passed as strings so you might need to do some type converting to get their correct representation. A simple main.m might look like this:

function main(x, datapath)
    result = sqrt( str2double(x) );
    eval(["save " datapath "result"]);
end

This calculates the square root of the first parameter x and saves the result in a file specified by the second parameter datapath.

Generating the binary package
Now it’s time to compile the executable binary file. Open the compiler GUI by typing “deploytool” into the MATLAB command line. Create a new standalone application project and save it. I named my example project SquareRoot.prj. Then add main.m in the “Main function” subfolder. Other files used by your script should be added to the “Other files” subfolder.

You can now try to build the binary file. If no errors occur then you’re fine. If you run into errors, don’t panic. I had problems during linking because my MATLAB distribution shipped its own 64 bit libraries but not its own gcc. Because I have a recent linux distribution and a relatively old MATLAB build, my local gcc was on a newer version than the corresponding libc shipped with MATLAB. However, thanks to my Linux distribution I was able to install a matching version of the gcc. I then edited the CC environmental variable in the glnxa64 section of ~/.matlab/<MATLAB version>/mbuildops.sh to point to the matching gcc version. After that I had to create some symlinks in /opt/matlab/bin/glnxa64 pointing to the appropriate libraries of my Linux distribution to resolve the remaining linking errors.

After successfully compiling your MATLAB code, you will find two files in the <project name>/distrib subdirectory: an executable binary file named after your project and a luncher script named run_<project name>.sh. Create a tar archiv containing these two files and the MATLAB Compiler Runtime (MCR) installer (I found mine at /opt/matlab/toolbox/compiler/deploy/glnxa64/MCRInstaller.bin). Then copy the archive to your test machine (or directly to your cloud instance if you’re tough).

Testing
On your test machine, run MCRInstaller.bin (with “-console” flag if you don’t have an X display) to install the MCR, for example in ~/MCR. Because the installer might have more dependencies than your script, you should directly copy the ~/MCR directory and not the MCR installer to your EC2 instance, so you don’t have to run the installer again.

Now you can try calling run_<project name>.sh. The first parameter is the path to your MCR. The following arguments are passed to your MATLAB code. For my example project I would run (replace XX with your MCR Version):

 ./run_SquareRoot.sh ~/MCR/vXX 5 data1.mat

On your first try, this will probably cause some errors due to missing libraries in your Linux install. Try to install those. The following worked for me:

 apt-get install xserver-xorg libxp6

That’s it. Move your binary file, the loader shell script and your MCR directory to your cloud computing instance and let the number crunching begin. ;-)

Alternative
You might really want to check out GNU Octave which is an open-source MATLAB alternative. Its syntax is MATLAB compatible so your scripts might run on Octave without any changes. If you do not use special MATLAB toolboxes or objects, chances are that you can use Octave instead of MATLAB and therefore avoid messing around with the MATLAB compiler, its runtime and those library issues. Just install Octave on your cloud instance, for example with

apt-get install octave

and directly run your MATLAB scripts.

In my case, I managed to get my script working with Octave by only making minor changes to avoid the use of objects but Octave turned out to need about 50 time more computation time than MATLAB. That pretty much cancels out the advantage of cloud computing for me. That’s why I still use MATLAB.

Posted in in english, Technik, Uni | 1 Comment

Identitätskrise

Heute hatte ich etwas ganz einfaches vor: ich wollte einfach nur mal nach einer Kneipe in Berlin Friedrichshain suchen, die am 25. Dezember, also dem ersten Weihnachtsfeiertag, spät Abends noch geöffnet hat. Ich wollte mich im Vorfeld erkundigen nachdem ich bei einer ähnlichen Aktion letztes Jahr feststellen musste, dass selbst Friedrichshain zu dieser Zeit kneipentechnisch eine Geisterstadt ist.

Ich wollte zum Beispiel beim Jailbreak nachgucken. Auf deren Internetseite steht, wie übrigens auch auf Internetseiten anderer Lokalität, erstmal nichts direkt zu den Öffnungszeiten in der Weihnachtszeit. Wieso eigentlich nicht? Die Öffnungszeiten eines Lokals gehören doch zu den Kerninformationen die ich auf dessen Website finden möchte und zwar aktuell und fehlerfrei. Nichts ist ärgerlicher, als sich mit ein paar Leuten in einer Kneipe zu verabreden und dann vor geschlossenen Türen zu stehen.

Zumindest ist dort auch gleich eine Handynummer angegeben die man anrufen kann, wenn man Fragen zu den Öffnungszeiten hat. Also habe ich die Nummer angerufen, nur um eine Ansage zu hören, dass diese Nummer nicht mehr vergeben ist. Na toll.

Meine nächste Idee war das Impressum der Website zu prüfen, ob da vielleicht eine funktionierende Telefonnummer oder eMail-Adresse zu finden ist. Impressum? Fehlanzeige. Zwar muss jede deutsche Website ein solches aufweisen, aber offensichtlich ist noch kein Abmahn-Anwalt auf diese Seite gestoßen.

Meine nächste Idee war mal beim WHOIS der DENIC nachzusehen, ob es eine gute Kontaktmöglichkeit gibt. Tja, leider bin ich grandios am dort eingebauten CAPTCHA gescheitert, der mich nach einer handvoll Lösungsversuchen erstmal gesperrt hat. Deshalb ging dann wohl auch die WHOIS-Abfrage über die Konsole von meiner IP aus nicht mehr.

Das ist das erste mal, dass ich als Mensch bei einem CAPTCHA endgültig versagt habe. Daraus kann ich eigentlich nur den Schluss ziehen, dass ich irgendwann in letzter Zeit durch einen Androiden ersetzt wurde. Das gibt Extrapunkte für den Turing-Test der DENIC.

Comic by xkcd

Posted in Privatkram, Technik | Leave a comment

Autokäufer

Damit es nicht heißt, ich würde nur gegen Fahrradfahrer wettern, geht es mir dieses Mal um Autofahrer. Genauer gesagt geht es mir um Autokäufer.

Da scheint es ein paar besonders kluge Exemplare zu geben, die sich gestern einen knapp zwei Meter breites SUV gekauft haben und heute merken, dass sie in keine 2,20m bereite Parklücke im Parkhaus passen.

Dann beschweren sie sich über ihre Lobbyorganisation darüber, dass die Parkhäuser zu eng wären damit sie dann hoffentlich morgen breitere Parkhäuser haben. Und irgendwie ahne ich, dass das dann alle Nutzer des Parkhauses bezahlen dürfen, unabhängig von der Breite des benötigten Parkraums.

Ich frage mich, was sich diese Leute beim Autokauf denken. Man weiß doch vorher ob man vor hat, ab und an mal in ein Parkhaus zu fahren und man weiß auch wie viel Platz man in einem solchen Parkhaus hat. Denken diese Autokäufer etwa, dass die Parkbuchten über Nacht breiter werden, nur weil sie sich so einen Straßenpanzer gekauft haben?

Von mir aus sollen doch Parkhäuser auf breitere Parkplätze umgebaut werden. Aber dann sollen sie bitte ein paar kleinere Parkplätze übrig lassen und diese gegen eine geringere Gebühr Kleinwagenfahrern zur Verfügung stellen. Ich würde das nur gerecht finden.

Posted in Privatkram, Technik | 1 Comment

Peer Review gone wild

Gestern Abend bin ich in Fefes Blog über einen Zeitschriftenartikel mit dem Titel “We are sorry to inform you…” (Orginalquelle*) gestolpert. In dem Artikel geht es um Fälle in denen bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse von Reviewern total verkannt wurden.

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen vor ihrer Veröffentlichung in einem Fachmagazin den Peer-Review-Prozess. Dabei wird der Artikel einem Peer, also einem “Ebenbürtigem” vorgelegt. Gemeint ist damit ein (vom Autor) unabhängiger Wissenschaftler mit dem gleichen Fachgebiet. Dieser prüft den Artikel dann unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Originalität, Signifikanz und Plausibilität und spricht dem Herausgeber der Zeitschrift seine Empfehlung aus ob der Artikel veröffentlicht werden sollte.

How much damage could be caused by a peer reviewer having a bad day?

Diese Frage stellt der oben genannte Artikel und zeigt dazu negative Reviews von, in der Retrospektive, besonders bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Bereich Informatik.

Die meisten dieser Artikel sagen mir persönlich nichts. Dazu bin ich wohl zu wenig Informatiker. Aber auf zwei Artikel möchte ich hier doch näher eingehen.

Als erstes möchte ich kurz auf ein Review zu Alan Turings Artikel “On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem“, erschienen 1936 in Proceedings of the London Mathematical Society (Link*), eingehen. In dem Paper wird u.a. die Turingmaschine vorgestellt. Zum deren Sinn bemerkt der Reviewer kurz:

I strongly suspect the machine is too simple to be of any use.

Außerdem kann es ja nicht angehen, dass ein in einer britischen wissenschaftlichen Zeitschrift ein Artikel ein deutsches Wort im Titel trägt.

Turing should remember that the language of this journal is English and change the title accordingly.

Übrigens, der britische Staat und Turing hatten ein gespaltenes Verhältnis zueinander. Einerseits war er quasi ein Kriegsheld, weil er maßgeblich am Hack der Enigma beteiligt war. Andererseits wurde er wegen einer homosexuellen Beziehung von einem britischen Gericht verurteilt und bekam als “Therapie” seiner Homosexualität Östrogen verordnet wodurch ihm Brüste wuchsen.

Das zweite Review das ich vorstellen möchte ist zu “A Mathematical Theory of Communication” von Claude E. Shannon, 1947 im Bell System Technical Journal veröffentlich (Link). Mit diesem Paper hat Shannon die Informationstheorie begründet indem er beschrieben hat, unter welchen Bedingungen ein von einem Sender kodiertes Signal am Empfänger fehlerfrei dekodierbar ist.

Der Reviewer verkennt in diesem Fall die Bedeutung der Idee, für eine technische Betrachtung die Semantik der zu übertragenden Nachricht zu ignorieren.

The author claims that “semantic aspects of communication are irrelevant to the engineering problems,” which seems to indicate that his theory is suitable mostly for transmitting gibberish.

Des weiteren bezweifelt der Reviewer die Bedeutung von diskreten Nachrichtenquellen. In einer vertraulichen Mitteilung an den Herausgeber bemerkt er dazu:

At any point, there are sexy topics and unsexy ones: these days, television is sexy and color television is even sexier. Discrete channels with a finite number of symbols are good for telegraphy, but telegraphy is 100 years old, hardly a good research topic.

Heute, im “digitalen Zeitalter”, in dem sich alles auf Bits und Bytes zu reduzieren scheint, wirkt eine solche Einschätzung natürlich abwegig. Wenn man sich allerdings in die späten 1940er Jahre hinein versetzt, als Fernsehen der letzte Schrei war, kann man schon in die Versuchung kommen, diese antiquierte Telegraphen-Technologie als Sackgasse zu betrachten. Dieses Beispiel sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten wenn man über den Sinn von Grundlagenforschung nachdenkt.

Als Gag zum Abschluss noch ein Tipp, den der Reviewer den Leuten in den Bell Labs gibt:

IBM has decided to stay out of the electronic computing business, and this journal should probably do the same!

* Einige Links in diesem Artikel führen zu elektronischen Zeitschriftenarchiven für deren Inhalt man in der Regel bezahlen muss. Von einem Uni-Netzwerk aus kann man ggf. dennoch kostenlos auf diese Inhalte zugreifen, wenn die Hochschule bzw. eine angeschlossene Hochschulbibliothek dieses Zeitschriftenarchiv abonniert hat.

Posted in Technik, Uni | 1 Comment

Radwege – Wo ist das Problem?

Ich tue mich etwas schwer die Leute zu verstehen, die sich über die Radwegbenutzungspflicht aufregen. Sowohl als Auto- und als Radfahrer.

Als Radfahrer sind mir Radwege schon immer lieber gewesen, so dass ich sie auch immer dankbar benutzt habe. Auf dem Radweg muss ich mich nicht vor zu knapp überholenden Autofahrern fürchten und fühle mich auch insgesamt sicherer, da ein Unfall mit einem Fußgänger gegebenen Falls glimpflicher ausgeht als ein Unfall mit einem Kraftfahrzeug. Allerdings bin ich auch ein sehr gemütlicher Radfahrer. Ich fahre auf Kreuzungen eben mit erhöhter Aufmerksamkeit zu und warte erst ab, ob Autofahrer auf meine Anwesenheit reagieren, bevor ich mein Vorfahrtsrecht in Anspruch nehme.

Als Autofahrer sind Radfahrer natürlich zu aller erst gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer die aber, wenn sie auf der Straße fahren, wegen ihrer geringen Geschwindigkeit auch ein Hindernis darstellen. Besonders im städtischen Verkehr kann man Fahrradfahrer oft nicht legal überholen, da zum Beispiel Gegenverkehr oder durchgehende Fahrbahnmarkierungen das zu verhindern wissen. Das stört halt den allgemeinen Verkehrsfluss. Beim Abbiegen über einen schlecht einsehbaren Radweg halte ich gegebenen Falls vor diesem und vergewissere mich, dass kein Radfahrer zu sehen ist. Erst dann taste ich mich langsam in den Radweg hinein. Wenn nicht gerade ein Radfahrer mit unangemessener Geschwindigkeit für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg (also mit >30 km/h den Berg runter) meinen Weg kreuzt, kann da eigentlich nichts passieren.

Also, wo genau ist denn da das Problem mit dem Benutzen der Radwege?

Posted in Privatkram | 4 Comments

Arbeiten Heute

Diese Woche haben die Medien verlautbart, dass die Bundesagentur für Arbeit es endlich geschafft hat, die Anzahl an Erwerbslosen auf unter 3 Millionen zu rechnen. Klingt ja eigentlich ganz gut, aber was für Jobs sind das denn, die man heute so bekommt?

Aus meinem Umfeld habe ich den Eindruck, dass es nur noch Jobs gibt, die entweder temporär oder lokal unsicher sind. Wenn man direkt von dem Unternehmen angestellt wird, für das man dann auch die Arbeit verrichtet, bekommt man vielleicht nur einen befristeten Arbeitsvertrag angeboten. Wenn man bei einem Dienstleister, dessen Geschäftsmodell sich im wesentlichen auf die Arbeitnehmerüberlassung stützt anfängt, kann man damit rechnen unter Umständen sogar mehrmals im Jahr die Arbeitsstelle wechseln zu müssen.

Ich als fast fertiger Ingenieur habe ja das Glück, keine Angst haben zu müssen, irgendwo irgendeinen Jobs zu finden. Nur nach dem was ich so auf virtuellen (Xing) und realen (Bonding) Jobmessen erlebe werden vor allem Jobs bei Ingenieurdienstleistern oder Beratungsfirmen beworben, also Jobs, die mit lokaler Unsicherheit behaftet sind. Da muss ich sagen, dass sich meine Begeisterung immer in Grenzen hält.

Ja, ich wäre bereit für einen Job in eine andere Stadt zu ziehen, für einen entsprechend attraktiven Job vielleicht auch aufs Land. Aber ich habe wirklich Bedenken, jährlich oder noch häufiger meinen Arbeitsplatz zu wechseln. Ich meine, wenn man alleinstehend ist und gerade von der Uni kommt, ist so ein Job bei einem Dienstleister bestimmt ganz interessant weil man viele verschiedene Orte sieht und auch viele unterschiedliche berufliche Erfahrungen sammeln kann.

Aber wie soll dass denn funktionieren, wenn man eine ernsthafte Beziehung führt? Eine Beziehung, in der der Partner nicht nur ein Anhängsel wie im klassischen Modell mit Alleinernährer und Hausfrau ist sondern eine eigene Karriere verfolgt? Ich habe deswegen schon über 3 Jahre eine Wochenendbeziehung geführt und sehe damit meinen Lebensbedarf an Fernbeziehungen gedeckt.

Ich frage mich, wie das Leute machen, die bei solchen Dienstleistern arbeiten. Oder sind das alles Singles?

Posted in Privatkram, Uni | 1 Comment

Spam mal anders: Filesharing Abmahnung

Ich habe gestern Abend folgende Email erhalten deren Absender angeblich ein Rechtsanwalt Florian Giese mit der Email-Adresse giese@rechtsanwalt-giese.info:

Guten Tag,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und
Interessenwahrung der Firma Videorama GmbH,
Munchener Str. 63, 45145 Essen, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss
aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk
begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser
Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen
Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31
UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um
geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie
sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit
§§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht.
Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen
Werken dokumentiert worden.

Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am
Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige
gegen Sie gestellt.

Aktenzeichen: 230 Js 413/10 Sta Stuttgart

Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: 84.190.31.155

Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 13

Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 21

Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden
heutzutage Urheberrechtverletzungen
erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen
Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt.
Link: Urheberrecht: Magdeburger muss 3000 Euro Schadensersatz zahlen

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes
Angebot:
Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen
offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen,
Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den
Schadensersatzanspruch unseres Mandanten
aussergerichtlich zu loesen.
Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum
22.10.2010 sicher und unkompliziert
mit einer UKASH-Karte zu bezahlen. Eine Ukash ist die sicherste
Bezahlmethode im Internet und
fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben.
Weitere Informationen zum Ukash-Verfahren erhalten Sie unter:

http://www.ukash.com/de

Senden Sie uns den 19-stelligen Pin-Code der 100 Euro Ukash an
folgende E-Mailadresse videorama@rechtsanwalt-giese.info

* alternativ konnen Sie auch mit Paysafecard zahlen
Link: http://www.paysafecard.com/de

Geben Sie bei Ihre Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten
Frist keinen 19- stelligen
Ukash PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben(oder gleichwertiges
Paysafecard Coupon), wird der Schadensersatzanspruch offiziell
aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen
wird eingeleitet. Sie erhalten
dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Hochachtungsvoll,
Rechtsanwalt Florian Giese

Es ist ja nicht das erste mal, dass ich Spam Mails von Anwälten bekomme. Doch meistens sind das dann Einzeiler von einem Absender der sich selbst nur “Anwalt” nennt und mich benachrichtigen will, dass mein Geld da ist. Natürlich müsse ich jetzt nur noch auf einen Link klicken und/oder mir eine EXE runterladen. ;-)

Doch diese Mail sieht auf den ersten Blick ganz seriös aus. Als erstes gucke ich mir meist den Header der Email an, genauer gesagt den Teil in dem mein Mailserver beschreibt wie ihm die Mail zugestellt wurde, in diesem Fall:

Received: from rechtsanwalt-giese.info (cpe-71-65-94-152.woh.res.rr.com [71.65.94.152])
by lvps80-237-164-151.dedicated.hosteurope.de (Postfix) with SMTP id 7DD1865E8088
for ; Mon, 18 Oct 2010 21:21:53 +0000 (UTC)

Nichts ist einfacher als einen Email-Absender zu fälschen, weshalb ich mir gerne diese Zeile ansehe, die mein Mailserver in den Header schreibt. Wenn z.B. Amazon mir eine Email schickt, wird diese auch von einem Server aus einer Amazon Domain zugestellt. Spam oder Phishing Mails kommen jedoch meist von Hosts aus weniger bekannten Gegenden des Internets, meist aus dem Adressraum von Internet Service Providern (ISPs). In diesem Fall hat der zustellende Mail Tranfer Agent (MTA) sich zumindest die Mühe gemacht, sich als ein legitimer Sever (rechtsanwalt-giese.info) vorzustellen. Jedoch kann ein er seine wahre Herkunft, die IP 71.65.94.152, nicht verbergen und eine WHOIS-Anfrage liefert die Erkenntnis, dass die IP zum amerikanischen ISP Road Runner gehört.

Das ist eigentlich noch nicht so verdächtig. Immerhin kann man bei Anwaltskanzleien nicht unbedingt davon ausgehen, dass die einen eigenen Mailserver aufgesetzt haben. Normaler Weise liefert dieses Nachschlagen im Email Header mehr Erkenntnisse. Aber es gibt in der Mail noch andere Auffälligkeiten, die sie für den aufmerksamen Surfer als Spam erkennbar machen:

  1. Der Mail fehlt es an einer persönlichen Anrede. Wenn sich schon jemand die Mühe machen würde meine Email-Adresse nur anhand einer IP zu ermitteln, würde dieser Jemand auch meinen Namen wissen.
  2. Die Mail ist auffällig unkonkret, was den Tatbestand angeht. So ist nur von einer Anzahl von Dateien die Rede, aber nicht vom konkreten, geschützten Inhalten in den angeblich getauschten Dateien, wie z.B. Songtitel. Außerdem wird eine IP zum Tatzeitpunkt angegeben, nicht aber der Tatzeitpunkt an sich.
  3. Die Zahlungsmodalitäten (eine mir bisher unbekannte “Ukash” Karte sowie die Paysafe Karte) sind doch sehr … exotisch. Eigentlich würde man sowas per gewöhlicher Banküberweisung machen. Auch der Betrag ist mit 100 Euro ungewöhnlich niedrig. Vermutlich soll einem das Bezahlen der Summe nicht zu schwer gemacht werden.
  4. Der Mail fehlt ein Mini-Impressum, wie es Gewerbetreibende und Freiberufler mittlerweile mitsenden müssen. Gerade ein Anwalt, der sich beruflich mit den Internet auseinandersetzt würde sich hier bestimmt keine Blöße geben.

Wenn man die Website des angeblichen Anwalts besucht, sieht man auf den ersten Blick eine seriöse Seite. Jedoch funktioniert keiner der Links zu den Unterseiten, natürlich auch nicht der zum Impressum.

Eine kurze Google-Recherche liefert dann auch die Erkenntnis, dass andere Internetnutzer die gleiche Email mit der selben angeblichen Tat-IP und genau der selben Anzahl angeblich getauschter Musikstücke bekommen haben. Außerdem findet man heraus, dass es zwar tatsächlich einen Rechtsanwalt namens Florian Giese gibt, dieser jedoch Opfer eines Identitätsdiebstahl wurde.

Mich haben dann heute Morgen übrigens noch mehr ähnliche Emails dieses angeblichen Anwalts erreicht. Und da bin ich nicht alleine. Die versuchen die Abzocke jetzt sogar auch bei bekannten Internet-Anwälten. ;-)

Posted in Privatkram | 1 Comment